Die Welpensaison in Kroatien ...

Autor/Fotos: Ralf Schillo, 14.04.2017

Vor 10 Jahren wanderte Ralf Schillo mit seiner Familie aus -
ein Bauernhof ist heute nicht nur seine neue Heimat


Anfangs kamen nur Streuner ...

Vor 10 Jahren sind meine Frau und ich nach Kroatien ausgewandert. Wir haben einen Bauernhof in einem kleinen Bergtal gekauft. Die Gegend ist sehr arm und vorwiegend leben die Menschen hier von ihren Gärten, Feldern und dem Milchverkauf. Junge Leute gibt es kaum noch hier und zwei von drei Höfen sind schon lange verlassen. Wir brachten unseren Bordercolliewelpen Socke und drei Kater aus Deutschland mit. Innerhalb weniger Monate tauchten die ersten Streuner hier auf. In den nächsten Jahren hatten wir meist fünf, sechs oder sieben Hunde hier. Manche zogen weiter, neue tauchten auf, einige wurden wohl auch Opfer der Wölfe. Alles in allem noch zu händeln, bis sich dann im April 2011 alles auf einen Schlag änderte.

Welpen im Müllcontainer

Ich fand im Müllcontainer einen Pappkarton mit 9 Welpen. Ca. 10 Tage alte Tornjakmixe. Eine Woche später am gleichen Container einen angefahrenen Welpen mit gebrochenem Bein und noch eine Woche später drei Schnauzerwelpen.
So hatten wir auf einen Schlag 20 Hunde auf dem Hof und um 9 davon mussten wir kämpfen, um sie am Leben zu halten. Das ist uns auch fast gelungen, nur der kleinste hat es nicht geschafft. Uns war schnell klar, dass wir es nicht schaffen werden, alle Hunde zu halten.
Zum Glück fand ich über eine gemeinsame Bekannte (via Facebook) den Kontakt zu einer Tierschutzorga in Deutschland, die sich in der Folge um die Vermittlung der Hunde kümmerte.
Denn inzwischen hatte es sich wohl rumgesprochen, dass wir uns um Welpen kümmerten und die nächsten 5 flogen in einer Plastiktüte übern Zaun oder 4 standen im Pappkarton in der Einfahrt.

Der Hof wird niemals leer

Seitdem wird der Hof nicht mehr leer. Wir haben inzwischen drei große Gehege gebaut, ein Teil ist im Haus untergebracht und ein Teil lebt frei auf dem Hof. Seit Ende 2014 kümmere ich mich auch selbst um die Vermittlung, da sich vorgenannte Orga mehr oder weniger aufgelöst hat. Ich habe inzwischen eine große Community auf Facebook, die zum Teil Futterpatenschaften übernommen haben, Futter sammeln oder zumindest meine Vermittlungshunde teilen. Ohne diese Hilfe könnten wir das nicht aufrecht erhalten, denn die Schutzgebühr deckt bei weitem nicht die entstehenden Kosten. Insbesondere, weil ich die Hunde selbst nach Deutschland bis in ihr neues Zuhause bringe. Da kommen dann Touren zwischen 2.500 und 4.000 Kilometern zusammen.

Ein typisches Jahr

Es wird Frühling und wir sind froh, dass unsere Hunde die eisigen Temperaturen bei guter Gesundheit überstanden haben. Doch viel Zeit zum Durchatmen bleibt nicht.


Spätestens im April beginnt die "Welpensaison". D.h., die Welpen, die ab Ende Januar geboren werden, sind jetzt so groß geworden, dass sie nicht mehr von der Mutter gesäugt werden. Sie verlangen nun eigene Rationen und das will niemand aufwenden. Rüden können teilweise an Nachbarn und Freunde vermittelt werden, Mädels will niemand. Die werden im Wald ausgesetzt oder, wenn man es gut mit ihnen meint, auf der Müllkippe. Dort können sie evtl. ein paar Tage die Raben und Möwen überleben und vielleicht finden die Deutschen sie ja dort. Die fahren ja regelmäßig die Müllkippe an. Oder man bringt sie samt Mutter direkt dorthin. Die verlangen nämlich das Muttertier, um es zu kastrieren, damit nicht ein halbes Jahr später genau die gleiche Situation wieder eintritt.
Die andere Hälfte sind die Welpen aus dem Vorjahr. Sie sind jetzt ca. 9 Monate bis ein Jahr alt und müssten geimpft und gechipt werden. Das ist Vorschrift und die Amtsveterinäre fahren im Frühjahr von Hof zu Hof. Da hat man besser keinen Hund mehr oder nur den Welpen vom Nachbarn, der dann ein Jahr später den selben Weg geht. Im Herbst beginnt das gleiche Spiel.

Sommerwelpen und Feldhunde

Feldhunde sind die Rüden aus den Sommerwürfen, die bei der Impfaktion noch durch die Maschen schlüpfen können. Sie werden auf den Kartoffel-, Kohl-, oder Maisfeldern angekettet, um die Rehe fernzuhalten und vielleicht auch ein paar Wildschweine. Manche bekommen sogar eine Hütte gegen die brennende Sonne und den Regen. Aber lange nicht alle.

Wenn die Ernte eingebracht ist, braucht man sie nicht mehr. Man hat für das nächste Jahr ja schon wieder einen Welpen. Während die Welpen und Impfopfer gut zu sozialisieren sind, ist dies bei den Feldhunden schon mehr Arbeit. Sie haben jedes Vertrauen in die Menschen verloren und man muss es langsam wieder aufbauen. Den größten Teil dieser "Arbeit" erledigt zum Glück unser Rudel. Sie zeigen den Neuen zum einen die Regeln des Zusammenlebens auf und zum anderen, dass Menschen sich um sie kümmern und niemand sie fürchten muss. So entsteht in relativ kurzer Zeit wieder ein Vertrauensverhältnis, das, speziell von den Feldhunden, als große Erleichterung empfunden wird. Daneben tauchen von Zeit zu Zeit auch richtige Streuner auf, die sich von der Kette befreit haben, geprügelt wurden oder einfach nur vernachlässigt. Ein Teil von ihnen lässt sich auf das Rudelleben ein und bleibt, andere fressen sich nur ein paar Tage lang satt und ziehen dann weiter. Denn nicht jeder Hund möchte "gerettet" werden ...

Ralf Schillo


Kontakt:

Via Facebook: Klick:
Ralf Schillo
Postanschrift:
Ralf Schillo
53260 Brinje/Kroatien
Mail:
raspunaldo@yahoo.de