Das Hundekind - ein (Hunde)Leben lang

Autorin: Kathrin Richter, 14.04.2017

Die Entscheidung für ein Hundekind als neues Mitglied in unserer Familie bedeutet nach primären Überlegungen zur Adoption = Liebe, Achtung und Respekt - vom ersten Tag an! 
Grundlage dieses Artikels ist das Buch von Kathrin Richter: "Ein Welpe zieht ein!"


Über 30 Tausend Jahre begleitet der Hund schon den Menschen

Also ist des Menschen Wunsch, einem Hundekind ein zu Hause geben zu wollen gar nicht so neu und ungewöhnlich.

Wächter, Jäger, Beschützer, Gefährte, Freund und Spielkamerad sind nur einige der vielen Aufgaben und Jobs, die ein Hund in einer Familie übernehmen kann und möchte. Ein Hund ist für das Zusammenleben in einer sozialen Gemeinschaft wie die der menschlichen Familie immer ein Gewinn - kann er doch mit seinem natürlichen Wesen und seiner Empathie Ruhe und Entspannung verbreiten und uns Menschen helfen, das naturnahe Leben wiederzuentdecken. Die jahrtausend alte Partnerschaft zwischen Mensch und Hund hat außerdem dazu geführt, dass der Hund sich als ein Teil der menschlichen Familie versteht. Die Wissenschaft hat gar erwiesen, dass er sich eher an seine Menschen orientiert als an einen Artgenossen - der Mensch ist also der Sozialpartner Nr. 1 für seinen Hund.

Kann die Familie DIESE Verantwortung tragen - Sozialpartner Nr. 1 zu sein?

Darüber sollte sich jede Familie im Klaren sein, die ein Hundekind aufnehmen möchte - denn, auch wenn es so einfach scheint, bedeutet ein Hundekind immer Veränderung und Verantwortung, für die alle bereit sein müssen!.

- Wollt und könnt Ihr Euch einlassen auf das Abenteuer Hund, in guten wie in schlechten Tagen und das sein Leben lang?
- Wollt und könnt Ihr Euch über lange Zeit Verantwortung tragen und damit auch Abstriche machen – egal in welcher Richtung - von Eurem bisherigen Leben?
- Wollt und könnt Ihr einen Hund lieben und ihn als ein fühlendes Lebewesen mit individuellen körperlichen und seelischen Bedürfnissen respektieren?

Diese grundlegenden Fragen sollten immer vor der Adoption auf den Diskussionsplan der Familie stehen und erst wenn sie eindeutig mit einem "Ja" beantwortet wurden kann die Planung in die nächste Phase gehen.
Es sind weiterer Fragen zu klären, etwa die nach allergischen Reaktionen der Menschen auf Hundehaare, ist Hundehaltung in der Wohnung überhaupt erlaubt oder wie steht die Nachbarschaft zu einem Hund? Ist das Wohnumfeld insgesamt für einen Hund geeignet und wo werdet Ihr Gassi gehen ...???

Die Adoption eines Hundekindes will also wohl überlegt sein!

Jede bedachte Kleinigkeit kann das Zusammenleben später angenehmer gestalten oder eben vor einer beiden Seiten nur Ungemach bringenden Fehlanschaffung bewahren.

Sich über die Rasse Eures neuen Familienmitgliedes Gedanken zu machen ist legitim - vielleicht stöbert Ihr dafür mal in einem Rasselexikon und überlegt, welcher der dort vorgestellten Hunde in Eure Familie passen könnte. Modeerscheinungen und andere Leute sind nicht immer die besten Ratgeber. In dieser Ausgabe findet Ihr einen Artikel von Christoph Jung zum Thema Qualzucht, äußerst lesenswert (nicht nur) für Familien mit einem Hundekinderwunsch! Auch solltet Ihr überlegen, ob ein Hund aus dem Tierschutz bei Euch ein zu Hause finden könnte - da kann ich Euch den authentischen Bericht von Ralf Schillo ans Herz legen über die Welpensaison in Kroatioen.
Welches Hundekind letztendlich bei Euch einzieht, dass entscheidet Ihr ganz allein - genauso wie Ihr auch allein die Verantwortung für dieses Hundekind tragt und zwar ein ganzes Hundeleben lang!

Verantwortung ein Hundeleben lang

Diese Verantwortung endet nie, auch darüber solltet Ihr Euch im Klaren sein! Das Zusammenleben mit einem Hund ist wie das Leben allgemein, man kann niemals genau vorhersagen, welche Menschen uns begegnen oder was morgen passiert. Ein Hund lebt im Hier und Jetzt und genau das solltet auch Ihr als Hundemenschen Euch zu eigen machen! Lebt mit Eurem Hund bewußt jeden Tag, freut Euch über Euer Zusammensein, entdeckt einander und wachst miteinander. Dies sind die besten Voraussetzungen sich gegenseitig kennen zu lernen, zu respektieren und zu akzeptieren!
So baut Ihr zueinander eine Bindung auf, die einer Mutter-Kind-Bindung gleicht.
Euer Hund wird Euch lieben und Euch vertrauen! Wenn Ihr für seine körperlichen und seelischen Grundbedürfnisse sorgt, dann werdet Ihr nie einen Grund haben, daran zu zweifeln!
Ihr seid seine Familie, das Wertvollste was er nun hat in seinem Hundeleben! Es liegt in der Natur eines jeden Hundes, eine Bindung mit dem Menschen eingehen zu wollen. Ihr als Menschen seid dafür bereit, wenn Ihr Euren Hund liebt, ohne Bedingungen an seinen Charakter, sein Aussehen, seine Herkunft zu stellen – sondern einfach nur, weil er Euer Hund ist!

Bindung läßt sich weder durch Training noch auf Befehl aufbauen

Bindung ist also Liebe, die man weder erkaufen noch erzwingen kann. Wenn Ihr bedenkt, dass ein Hundekind Euch freiwillig seine Liebe schenkt, dann geht behutsam mit dieser Zuneidung um. Gerade wenn es um die Erziehung Eures Welpen geht vergesst niemals, dass der Kleine Euch vertraut und darauf baut, dass Ihr ihm Eure Welt zeigt und ihm helft, sich darin zurechtzufinden.
Es passiert bei Euch, in Eurem Zuhause und in Eurem sozialen und gesellschaftlichen Umfeld und nicht irgendwo in einer Institution, auf einem Hundeplatz oder wo auch immer!
Sucht bitte nicht nach der super Erziehungsmethode - es gibt sie nicht! Durch die Anwendung bestimmter Methoden und Trainings erreicht Ihr bei Eurem Hund nur eins - er funktioniert, aber er vertraut Euch nicht mehr! Gehorsamkeitsübungen, wie Sitz, Platz und Fuß sind Dressur und haben nichts mit Erziehung zu tun!

Erziehung ist unspektakulär

Erziehung findet immer dort statt, wo eine Familie, ein Mensch und Hund zusammen leben, wo man zusammen ist, gemeinsam aufsteht, spazieren geht, spielt, usw. Die Erziehung Eures Hundekindes ist also ganz alltäglich und selbstverständlich und irgendwie unspektakulär. Fünf Säulen einer guten Erziehung spielen bei der Förderung der Entwicklung Eures Kleinen eine bedeutende Rolle und können als Grundsätze Eures guten Miteinanders angesehen werden:
- Emotionale Wärme
- Achtung und Respekt
- Kooperation
- Struktur und Verbindlichkeit
- Umfangreiche Förderung
Was diese Säulen genau beinhalten sowie viele weitere Gedanken und Anregungen für Euer gemeinsames Leben mit Eurem Hundekind könnt Ihr in meinem Buch "Ein Welpe zieht ein!" nachlesen!

Außerdem lade ich Euch ein, in den weiteren Artikeln dieser 1. Ausgabe des Pfotenpenne-Journals zu stöbern!
Dabei wünsche ich Euch viel Spaß!

Kathrin Richter


Kontakt:

Via Facebook: Klick:
Pfotenpenne
Mail:
info@pfotenpenne.de
Homepage:
www.pfotenpenne.de
www.vierbeinerforum-rostock.de
www.pfotenpenne-journal.de
Radiosendung beim NB Radiotreff 88.0

Vita

Aufgewachsen in einer Familie mit Schäferhunden (Zucht, Ausbildung) habe ich selbst Deutsche Schäferhunde gezüchtet und ausgebildet. Außerdem leitete ich über viele Jahre einen eigenen Verein und war dort verantwortlich für verschiedene Sportarten. Noch während der tierpsychologische Coachingausbildung gründete ich die Privatinitiative Pfotenpenne, das Vierbeinerforum Rostock mit einem jährlichen wissenschaftlichen Symposium folgte. Ich bin verheiratet und habe 2 erwachsene Kinder!
In unserem Haushalt leben immer mehrere Hunde verschiedener großer und kleiner Rassen und 2 Katzen. Außerdem gehören zu unserer Familie eine kleine Schafherde und weitere Haustiere.